Verein

Höhen und Tiefen, Erfolge und Rückschläge: Lebendigkeit kennzeichnet die Geschichte des Turn- und Sportvereins Victoria Clarholz. Über 1700 Mitglieder, davon etwa 730 Jugendliche bis 18 Jahre, gehören der Sportgemeinschaft an, die Vielfalt der Angebote spricht für sich. 

Sport wird bei der Victoria in den Abteilungen Leichtathletik, Laufgruppe, Fußball, Tischtennis, Hap-Ki-Do, Badminton, Volleyball und Turnen mit den Untergruppen Trampolin, Gymnastik, Fitness, Walking, Body-Fit, Schwimmen und Aqua-Jogging angeboten. Unter anderem sind Kurse für Babys, Kleinkinder und Kinder sowie auch Laufkurse und Psychomotorik im Programm.

Gerade den jüngeren Sportlerinnen und Sportlern mag das Erreichte selbstverständlich erscheinen. Eine moderne Sportanlage mit guter Ausstattung, aktives Vereinsleben: Keine Normalität, eben keine Selbstverständlichkeit. Hinter dem aktuellen Erfolg der Victoria stehen Jahre des Wachsens und Gedeihens.

Der Ursprung der TSV Victoria geht auf den 17. Oktober 1920 zurück. Die Gründungsversammlung fand in der Gastwirtschaft Huckenbeck statt. Ein erster Vorstand wurde gewählt, zum ersten Vorsitzenden und ersten Turnwart Hermann Schmitz ernannt. Noch am selben Abend traten 30 Mitglieder dem Verein, der sich den Na- men "Turnverein Frisch Auf Clarholz" gab bei. Geräteturnen war zu dieser Zeit die einzige Sparte des jungen Vereins. Als vorläufige Übungsstätte fungierte übrigens ebenfalls der Saal der Gaststätte Huckenbeck, Leihgeräte eines benachbarten Vereins mußten für das erste Jahr genügen, 1921 gingen sie durch Kauf in den Besitz von "Frisch Auf' über.

Mut zum Risiko brachten die Mitglieder des Vereins im Jahr 1925 auf: Gerade fünf Jahre nach der Gründung richteten die Clarholzer das Bezirkssportfest mit rund 600 Teilnehmern aus. Ein Impuls auch für die Vereinsarbeit, weitere Clarholzer schlossen sich an. Allmählich wurde auch das Angebot erweitert. Anfänge der Leichtathletik und um 1930 auch des Fußballs setzten sich durch. Inzwischen war der Turnverein "Frisch Auf Clarholz" nicht der einzige seiner Art am Ort. 1923 war der zweite Verein, die "Deutsche Jugendkraft" gegründet worden. Auf die Dauer konnten beide Vereine nicht gleichberechtigt nebeneinander existieren. Die Vorstände zogen die Konsequenzen und nach zähen Verhandlungen schloss man sich 1932 unter dem Namen "Turn- und Sportverein Deutsche Jugendkraft Clarholz" zusammen. Besonders verdienstvoll setzte sich Heinrich Baumhus für die Fusion ein. Der Vereinsname hatte jedoch nur eine kurze Lebensdauer. 1934 musste er aus bekannten politischen Gründen aufgegeben werden, und es kam zu der noch heute gültigen Benennung "Turn- und Sportverein Viktoria Clarholz". Nur ein kleiner, aber feiner Unterschied besteht, auf den kurz hingewiesen werden soll. Vor zehn Jahren erließ der Verein eine neue Satzung, mit der dem leidigen Wechselspiel über die Schreibweise Viktoria oder Victoria ein Ende gesetzt wurde: Victoria mit c, so sieht es die Satzung vor.

Zurück zur Entwicklung: Während des Zweiten Weltkrieges kam der Sportbetrieb innerhalb der Victoria Schritt für Schritt zum Erliegen. Der zuvor so breit gefächerte Sportfluss versiegte. Am 4. Januar 1946 wurde der Grundstein für einen Neubeginn mit der Eintragung von 52 Mitgliedern gelegt. Allen widrigen Umständen zum Trotz: Bereits im ersten Jahr nach der "Stunde null" stieg die Mitgliederzahl auf 162. Sie erhöhte sich nochmals 1947 auf 216 Sportlerinnen und Sportler.

Mit der Größe des Vereins stieg erneut das Angebot: Im Juni 1947 wurde eine Damen-Handballmannschaft aufgestellt. Ende August 1951 trat die neugegründete Tischtennisgruppe in den TSV ein und erwarb die Zugehörigkeit beim Westdeutschen Tischtennisverband. Die Tischtennisabteilung feierte übrigens im Jahr 2001 ihr 50jähriges Bestehen und gab zu diesem Anlass eine Festschrift heraus, die in großer Stückzahl in Clarholz verteilt wurde. Wie vielschichtig das Vereinsleben sich entwickelte, lässt sich auch daran erkennen, dass sich im Jahr 1959 ein Segel-Club bildete, der zunächst als Abteilung der Victoria angehörte, sich aber später unter dem noch heute gültigen Namen "Segler-Club-Clarholz" am Dümmersee selbständig machte.

Ein sprunghafter Anstieg wird im Jahr 1967 verzeichnet, dem Jahr der Fertigstellung des Lehrschwimmbeckens und der Turnhalle an der Holzhofstraße: Der TSV zählte jetzt bereits 612 Mitglieder. 1974 schloss sich der Kegler-Sport-Club dem Turn- und Sportverein an. 1970 erwarb die Gemeinde in Clarholz das Gelände des heutigen Sportplatzes und angrenzende Grundstücke. Damit wurden Voraussetzungen für den Bau eines Sportzentrums geschaffen und auch genutzt. Sofort wurde mit dem Aufbau begonnen. Es entstanden ein Tennen- und ein Rasenplatz, sowie ein Trainingsplatz und zusätzliche Umkleide- und Duschräume für die Benutzer der Außenanlagen. Abgeschlossen wurden diese Baumaßnahmen nach fünf Jahren, und so feierte die Victoria erst 1976 ihr 50jähriges Bestehen. Doch dadurch konnte die Einweihung der neuen Bauten mit den Jubiläumsfeiern für die inzwischen über 1000 Mitglieder verbunden werden.

Immer dringender gestaltete sich Anfang der 80er Jahre der Bedarf an weiteren Trainingsmöglichkeiten im Hallensport. Es zeigte sich, wie vorausschauend der Erwerb von Grundstücken im Jahr 1970 gewesen war. Grund und Boden für die Planungen der Sporthalle an der Schulstraße waren vorhanden. 1988 wurde die Zweifachturnhalle nahtlos in den bestehenden Schul- und Sportkomplex eingegliedert. Mit der Nutzung der neuen Halle wurden weitere Sportarten angeboten. Neue Abteilungen für Badminton, Hap-Ki-Do, Karate, Trampolinturnen und Volleyball entstanden. In vorhandenen Sparten wurden die Möglichkeiten erweitert, so beispielsweise im Bereich Fitnesstraining für Freizeitsportler, Gymnastik und Schwimmen für Senioren, Tischtennis für Mädchen und Frauen. Die vorhandenen Kapazitäten werden voll genutzt.

Eine befürchtete Abwanderung aus den alten Disziplinen hin zu den neuen Hallensportarten blieb weitgehend aus, so dass die Aktivitäten in den neuen Sparten und natürlich die gute Arbeit in den alten Abteilungen erneut einen weiteren Mitgliederzuwachs bewirkte. Entsprechend den technischen Möglichkeiten wird unter anderem das Bestandsverzeichnis der Mitglieder seit 1988 per Computer erstellt.

Überfällig war im Jahr 1990 der Erlass einer neuen Vereinssatzung, bis dahin hatten Statuten aus dem Jahr 1958 Gültigkeit.

Seit 1992 befassten sich sowohl der Verein wie auch Rat und Verwaltung der Gemeinde mit den Planungen für neue Umkleiden an dem Sportgelände Holzhofstraße. 1993 wurde nach langem Hin und Her schließlich die Baugenehmigung entgegengenommen: Die Arbeiten begannen und wurden zügig abgeschlossen.

Über 80 Jahre TSV Victoria Clarholz: Was zeichnet ihn aus, den Turn- und Sportverein, die kleinste und lebendigste Zelle der Sportbewegung? Vielseitigkeit, Ehrenamtlichkeit, Freiwilligkeit, Bereitschaft zur Mitarbeit.

Vielgestaltig ist der Sport, ein wohl einmaliges Feld von Selbsterfahrung und Gemeinschaftssinn. Ehrenamtlich ist die Führung im Verein, freiwillig sind Teilnahme am Sportbetrieb und Engagement im Verein. Bereitschaft zur Mitarbeit, zum sportlichen Einsatz und zur finanziellen Unterstützung sind nicht nur wünschenswert, sondern auch in den nächsten Jahren notwendig.